DAT und Audatex sind die beiden Kalkulationssysteme, mit denen in Deutschland Fahrzeugschäden berechnet werden. Für Sachverständige ist die Wahl grundlegend, denn sie beeinflusst Arbeitsweise, Kosten und die Auswahl der Gutachten-Software. Dieser Ratgeber ordnet beide Systeme ein, benennt die Entscheidungskriterien und zeigt an drei Praxis-Szenarien, welcher Weg wann sinnvoll ist.
Ein Kalkulationssystem liefert die Datenbasis, mit der ein Reparaturschaden nachvollziehbar berechnet wird: Fahrzeugidentifikation, Ersatzteilnummern und -preise, Arbeitspositionen, Lackierwerte und Herstellervorgaben. Die Gutachten-Software allein könnte das nicht; sie greift für die eigentliche Kalkulation über eine Schnittstelle auf DAT oder Audatex zu und übernimmt die fertige Kalkulation ins Gutachten.
Beide Systeme decken den deutschen Fahrzeugmarkt sehr breit ab und sind bei Gerichten, Versicherern und Werkstätten gleichermaßen anerkannt. Die Unterschiede liegen weniger in der fachlichen Qualität als in Herkunft, Bedienkonzept und Datenumfeld.
Die DAT (Deutsche Automobil Treuhand) wurde 1931 gegründet und hat ihren Sitz in Ostfildern bei Stuttgart. Getragen wird sie von den Verbänden der deutschen Automobilwirtschaft: dem Verband der Automobilindustrie (VDA), dem Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) und dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Aus dieser Trägerschaft leitet sich der Ruf der DAT als neutrale Dateninstanz der deutschen Automobilwirtschaft ab.
Für Sachverständige liefert die DAT Fahrzeugidentifikation, Ersatzteilpreise, Arbeitswerte und zusätzlich eine eigene Bewertungssystematik für Wiederbeschaffungs- und Restwerte. Die Software-Linie heißt SilverDAT. Die Komplettlösung SilverDAT 3 Expert Partner verbindet Kalkulation, Bewertung und Gutachtenerstellung in einem System, richtet sich an DAT-Expert-Partner und kalkuliert ausschließlich mit DAT-Daten.
Audatex entstand 1966 in Minden als „Auto Daten Expertisen" mit dem Ziel, die Schadenkalkulation zu standardisieren. Seit 2006 gehört das Unternehmen zum US-Konzern Solera, einem weltweit tätigen Anbieter von Lösungen für das Schadenmanagement. Entsprechend ist Audatex international breit aufgestellt und in vielen Ländern im Einsatz, was für Büros mit international agierenden Auftraggebern relevant sein kann.
Das aktuelle Kalkulationsmodul heißt Qapter und arbeitet mit einer grafischen 3D-Schadenerfassung: Sie wählen am Fahrzeugmodell die betroffenen Bauteile aus, das System schlägt die zugehörigen Arbeits- und Ersatzteilpositionen vor. Qapter läuft im Browser und löst die frühere AudaPad-Generation ab. Für die Fahrzeugbewertung wird Audatex üblicherweise mit Schwacke-Daten kombiniert.
| Kriterium | DAT | Audatex |
|---|---|---|
| Verbreitung | In Deutschland sehr stark | International führend |
| Kalkulationsmodul | SilverDAT | Qapter |
| Bewertungsdaten | DAT-eigene Systematik | Schwacke |
| Fahrzeugabdeckung | Sehr groß | Sehr groß |
| Schadenerfassung | Listen- & grafikbasiert | Grafische 3D-Erfassung |
| Anbindung Gutachten-SW | Alle gängigen + SilverDAT | Alle gängigen außer SilverDAT |
Neben den beiden Marktführern etabliert sich GT Motive als drittes Kalkulationssystem in Deutschland. Der europäische Anbieter liefert wie DAT und Audatex Ersatzteilpreise, Arbeitswerte und Reparaturmethoden; mehrere Gutachten-Softwares binden das System bereits an. Interessant wird GT Motive vor allem in zwei Fällen: wenn Auftraggeber es voraussetzen oder wenn die Konditionen im eigenen Nutzungsprofil günstiger liegen als bei den etablierten Systemen. Für die meisten Sachverständigenbüros bleibt die Grundsatzentscheidung derzeit eine zwischen DAT und Audatex; GT Motive lohnt als Preisvergleich und als Ergänzung den Blick.
Das gewichtigste Kriterium. Versicherer und Schadensteuerer legen in vielen Fällen fest, in welchem System kalkuliert werden soll, weil ihre Prüfprozesse und Prüfdienstleister darauf aufsetzen. Wer regelmäßig für Versicherungen arbeitet oder solche Aufträge anstrebt, klärt deren Anforderungen vor der Systemwahl. Bei Privatgutachten im Haftpflichtschaden besteht diese Bindung nicht, dort sind beide Systeme gleichermaßen anerkannt.
Ein laufender DAT- oder Audatex-Vertrag und eingespielte Abläufe sprechen für Kontinuität. Ein Systemwechsel kostet Einarbeitungszeit, und die Vorteile des jeweils anderen Systems wiegen diesen Aufwand im Alltag selten auf. Praktischer ist es, die Gutachten-Software am vorhandenen System auszurichten.
Preislich nehmen sich beide Systeme wenig. Als Orientierung liegen DAT wie Audatex bei etwa 140 bis 150 € pro Monat; die genauen Konditionen hängen von Nutzung und Vertragsmodell ab und werden auf Anfrage genannt. Der Preis entscheidet die Wahl daher selten. Relevanter sind die Folgekosten aus Bewertungs- und Restwertabrufen sowie die Frage, ob das eigene Volumen einen Vertrag überhaupt trägt. Eine vollständige Rechnung über alle Kostenblöcke finden Sie im Ratgeber Was kostet die Ausstattung wirklich?.
Die meisten Gutachten-Softwares binden DAT und Audatex parallel an. Wer eine solche Lösung wählt, kann das Kalkulationssystem später wechseln oder beide Systeme nebeneinander betreiben, ohne die Software zu tauschen. Der Parallelbetrieb erfordert allerdings zwei Verträge, die Systemkosten fallen dann doppelt an. Er rechnet sich deshalb vor allem für Büros, deren Auftraggeber unterschiedliche Systeme voraussetzen.
Wer neu startet, hat keine Altverträge und keine Routinen zu berücksichtigen. Sinnvoll ist dann: die angestrebten Auftraggeber und die regionale Verbreitung prüfen, mit einem System beginnen und eine Gutachten-Software wählen, die beide anbindet. So bleibt der spätere Umstieg oder Parallelbetrieb offen, ohne dass die Software gewechselt werden muss. Für die ersten Monate mit geringem Volumen kann auch ein Abrufmodell interessant sein, bei dem die Kalkulation pro Gutachten abgerechnet wird.
Hier ist die Reihenfolge umgekehrt: Das Kalkulationssystem steht fest, die Gutachten-Software wird danach ausgewählt. Ein Wechsel des Systems nur wegen einer Software lohnt selten, denn Einarbeitung und Umstellung der Vorlagen kosten produktive Zeit. Prüfenswert ist ein Wechsel erst, wenn sich das Auftraggeber-Portfolio ändert oder der bestehende Vertrag deutlich über den marktüblichen Konditionen liegt.
Wer überwiegend im Auftrag von Versicherern oder Schadensteuerern arbeitet, richtet sich nach deren Vorgaben. In der Praxis führt das häufig zur Doppelanbindung: ein Hauptsystem für den Großteil der Aufträge, das zweite System für Auftraggeber, die es verlangen. Die doppelten Vertragskosten sind dann Teil der Kalkulation und sollten über das Auftragsvolumen gedeckt sein.
Beide liefern die Datenbasis für die Kfz-Schadenkalkulation. Die DAT ist eine deutsche Organisation, wird von den Verbänden der Automobilwirtschaft getragen und liefert eine eigene Bewertungssystematik; ihre Software-Linie heißt SilverDAT. Audatex gehört zum internationalen Solera-Konzern, kalkuliert mit dem Modul Qapter samt grafischer 3D-Schadenerfassung und wird für die Bewertung üblicherweise mit Schwacke-Daten kombiniert.
Als Orientierung liegen beide Systeme bei etwa 140 bis 150 € pro Monat; die genauen Konditionen hängen von Nutzung und Vertragsmodell ab und werden direkt beim Anbieter angefragt. Bewertungs- und Restwertabrufe kommen separat hinzu. Preislich ist der Unterschied zwischen beiden Systemen daher selten das entscheidende Kriterium.
Ja. Die meisten Gutachten-Softwares binden beide Systeme über Schnittstellen an, sodass je Auftrag gewählt werden kann. Dafür sind allerdings zwei Verträge nötig, die Kosten fallen also doppelt an. Sinnvoll ist die Doppelanbindung vor allem für Büros, deren Auftraggeber unterschiedliche Systeme voraussetzen.
Häufig ja. Versicherer und Schadensteuerer legen in vielen Fällen fest, in welchem System kalkuliert werden soll, weil ihre Prüfprozesse darauf aufsetzen. Wer regelmäßig für Versicherungen arbeiten will, klärt deren Anforderungen vor der Systemwahl. Bei Privatgutachten im Haftpflichtschaden sind beide Systeme gleichermaßen anerkannt.
GT Motive etabliert sich in Deutschland als drittes Kalkulationssystem und wird von mehreren Gutachten-Softwares bereits angebunden. Interessant ist es, wenn Auftraggeber es voraussetzen oder die Konditionen im eigenen Nutzungsprofil günstiger liegen. Für die meisten Büros bleibt die Grundsatzentscheidung derzeit eine zwischen DAT und Audatex.