Wer sich als Kfz-Sachverständiger selbstständig macht oder die Software wechseln will, steht schnell vor einem verwirrenden Markt aus Gutachten-Programmen, Kalkulationssystemen, Restwertbörsen und Bewertungsplattformen. Dieser Leitfaden ordnet, was zusammengehört – und worauf es bei der Auswahl ankommt.
Anders als bei vielen Berufen reicht ein einzelnes Programm nicht aus. Die Arbeit eines Kfz-Sachverständigen teilt sich softwareseitig in zwei Aufgaben, die von unterschiedlichen Systemen erledigt werden.
Sie ist die Zentrale Ihres Büros. Hier erfassen Sie Auftrag, Fahrzeug und Schaden, verwalten Fotos, erzeugen das fertige Gutachten als Dokument und wickeln oft auch Rechnung und Schriftverkehr ab. Bekannte Lösungen am deutschen Markt sind autoiXpert, EasyExpert, UltraExpert und SilverDAT 3.
Für die eigentliche Berechnung der Reparaturkosten greift die Gutachten-Software auf ein Kalkulationssystem zu. In Deutschland sind das die beiden Anbieter DAT (Deutsche Automobil Treuhand) und Audatex. Sie liefern die Fahrzeugdaten, Ersatzteilpreise und Arbeitswerte, mit denen ein Schaden nachvollziehbar kalkuliert wird.
In der Praxis läuft ein Gutachten typischerweise so ab: Sie identifizieren das Fahrzeug über die VIN-Abfrage, erfassen den Schaden in der Gutachten-Software und starten von dort die Kalkulation im angebundenen System. Die Daten wandern automatisch hin und her – vom Gutachten-Programm die Werkstattkostensätze und Fahrzeugdaten, zurück die fertige Kalkulation als Dokument. Für die Fahrzeugbewertung nutzen Sie zusätzlich eine Marktwertanalyse, für die Verwertung von Totalschäden eine Restwertbörse.
Ob eine Software zu Ihrem Büro passt, entscheidet sich an wenigen, aber wichtigen Fragen. Sie helfen, aus dem Markt zwei bis drei Kandidaten für einen Test einzugrenzen.
Cloud-Anbieter wie autoiXpert arbeiten mit monatlichen Gebühren, dafür sind Updates und Support enthalten. Andere rechnen ohne Grundgebühr pro erstelltem Gutachten ab – EasyExpert etwa mit 3,35 € netto je Gutachten oder einer Jahrespauschale, Dynarex mit einem On-Demand-Modell inklusive DAT-Abrufen. Bei geringem Gutachten-Volumen ist die Abrechnung pro Auftrag oft günstiger, bei Wachstum ein Abo planbarer.
Cloud-Lösungen laufen im Browser und erlauben ortsunabhängiges Arbeiten sowie automatische Updates, brauchen aber eine stabile Internetverbindung. Lokal installierte Programme funktionieren offline, sind aber an den Arbeitsplatz gebunden. Hybride Systeme kombinieren Büro-PC und mobile Erfassung.
Wenn Sie bereits mit einem Kalkulationssystem arbeiten, sollte die Gutachten-Software es unterstützen. autoiXpert, EasyExpert und UltraExpert lassen die Wahl zwischen DAT und Audatex offen. SilverDAT 3 dagegen ist fest an die DAT gebunden. Mehr dazu im Ratgeber DAT oder Audatex.
Viele Sachverständige nutzen Apple-Geräte. Cloudbasierte Lösungen sind hier im Vorteil, weil sie im Browser laufen. Lokale Windows-Programme funktionieren auf dem Mac nur über Umwege.
Wenn Sie Schäden direkt am Fahrzeug per Tablet aufnehmen möchten, prüfen Sie, ob die Software eine mobile Erfassung bietet und wie nahtlos diese ins Büro-Gutachten übergeht. SilverDAT 3 und CUBEE legen darauf besonderen Fokus.
Fast alle Anbieter bieten einen kostenlosen Test. autoiXpert etwa stellt 30 Tage zur Verfügung, in denen auch Kalkulationen und Bewertungen kostenfrei sind. Der beste Test ist ein reales Gutachten: Erfassen Sie einen echten Fall vom Auftrag bis zum fertigen Dokument. So zeigt sich, ob der Workflow zu Ihrer Arbeitsweise passt – deutlich aussagekräftiger als jede Funktionsliste.